Ein kraftvolles Werkzeug für mehr Stabilität im Alltag und in der Therapie

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, dass Sie in schwierigen Situationen innerlich den Boden unter den Füßen verlieren. Eine wirksame und sanfte Methode, um wieder Halt zu finden, ist die sogenannte Imaginationsübung „Der sichere Ort“. Sie kann in der Hypnotherapie, im Coaching oder auch im Alltag gerade in herausfordernden Momenten helfen, emotionale Stabilität und innere Ruhe zu fördern.

Der sichere Ort

Das Wichtigste in Kürze über den „sicheren Ort“ in der Hypnose

  • Der sichere Ort ist eine innere Vorstellung eines Platzes, an dem Sie sich vollkommen geborgen und geschützt fühlen.
  • Er dient Ihrer Stabilisierung – z.B. in der Traumatherapie, bei Angstzuständen oder allgemeinem Stress.
  • Die Übung aktiviert Ihre körperlichen, emotionalen und kognitiven Ressourcen.
  • Auch ohne Psychotherapie kann der sichere Ort bei Schlafproblemen oder innerer Unruhe hilfreich sein.
  • Mit etwas Übung lässt sich dieser Ort jederzeit gezielt aufsuchen – als persönlicher Rückzugsort.

Was ist der „sichere Ort“?

Der sichere Ort ist eine mentale Vorstellung eines Ortes, an dem Sie sich vollständig geborgen, geschützt und sicher fühlen. Das kann ein realer Ort wie eine Waldlichtung, ein vertrautes Zimmer oder ein Sandstrand sein – oder ein imaginärer Ort, den es nur in Ihrer Fantasie gibt.

Wichtig ist:

  • Er gehört ausschließlich Ihnen – kein anderer Mensch hat dort Zutritt. Auch mit geliebten Menschen können wir uns streiten und dann ist Ihr sicherer Ort dadurch vielleicht unangenehm belegt.
  • Er darf sich jederzeit verändern, wachsen, sich Ihrem inneren Zustand anpassen.
  • Sie können dort innere Helfer, Tiere oder Symbole einladen, die Sie stärken.


Diese Übung wird besonders im Rahmen von EMDR, einer Hypnosetherapie oder anderen ressourcenorientierten Verfahren eingesetzt – zur Stabilisierung vor, während oder nach belastenden Momenten im innen und außen.

Weshalb wirkt diese Imaginationsübung der „Sichere Ort“?

Die Übung vom „sicheren Ort“ wirkt, weil sie auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzt – körperlich, emotional und kognitiv.

Wenn wir uns einen Ort der Geborgenheit und Ruhe vorstellen, reagiert unser Körper oft unmittelbar mit Entspannung: Die Atmung vertieft sich, der Herzschlag verlangsamt sich, die Muskelspannung nimmt ab. Auch der Stresspegel – etwa gemessen am Cortisolspiegel – kann durch solche inneren Bilder sinken.

Gleichzeitig stärkt der sichere Ort das emotionale Erleben. Er vermittelt das Gefühl von Schutz, Wärme und Trost – selbst in Situationen, in denen wir uns sonst überfordert oder verunsichert fühlen. Diese emotionale Wirkung wird durch die kognitive Ebene unterstützt: Unsere Aufmerksamkeit richtet sich gezielt auf etwas Angenehmes, wodurch sich belastende Gedanken oder Gefühle in den Hintergrund verschieben.

Nicht zuletzt aktiviert diese Übung unsere inneren Ressourcen . Sie erinnert uns daran, dass wir Einfluss auf unser inneres Erleben nehmen können – eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit, die gerade in Psychotherapieprozessen von großer Bedeutung ist.

Studien zeigen, dass Imaginationsübungen wie der sichere Ort besonders in der Traumatherapie stabilisierend wirken können (Frewen et al., 2012). Auch neurowissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Vorstellungen im Gehirn ähnliche Aktivierungsmuster erzeugen wie reale Wahrnehmungen (Kosslyn et al., 2001) – was ihre emotionale Wirksamkeit erklärt.

Ist der sichere Ort auch für mich sinnvoll?

Der sichere Ort kann für viele Menschen eine wohltuende und unterstützende Übung sein – ganz unabhängig davon, ob Sie sich gerade in einer Psychotherapie befinden oder nicht. Besonders hilfreich ist er für Sie, wenn Sie unter Ängsten, Panikgefühlen oder innerer Unruhe leiden. Auch wenn Sie sich häufig überfordert oder reizüberflutet fühlen – können Sie durch den inneren Rückzugsort mehr Stabilität und Gelassenheit gewinnen.

In der Traumatherapie wird der sichere Ort oft eingesetzt, um vor, während oder nach belastenden Inhalten einen geschützten Rahmen zu schaffen. Doch auch bei alltäglichem Stress, chronischer Anspannung oder Einschlafproblemen kann die Imaginationsübung eine wertvolle Hilfe sein.

Selbst Therapeutinnen, Therapeuten und Coaches nutzen den sicheren Ort für sich selbst – etwa als kurze mentale Pause zwischen intensiven Gesprächen. Denn dieser Ort kann jederzeit aufgesucht werden – ganz unabhängig von äußeren Bedingungen.

Was tun, wenn Ihnen der sichere Ort zu Beginn schwerfällt?

Es ist völlig normal, wenn das Aufsuchen des sicheren Ortes zu Beginn Übung braucht. Manche Menschen haben Schwierigkeiten, sich Bilder vorzustellen, oder erleben unerwartet belastende Erinnerungen oder Gefühle. In solchen Fällen kann Folgendes helfen:

  • Nutzen Sie mehrere Sinne: Stellen Sie sich nicht nur vor, wie der Ort aussieht, sondern auch wie er riecht, klingt oder sich anfühlt.
  • Fangen Sie mit einem Detail an: Ein einzelnes Bild, ein Geräusch oder eine bestimmte Atmosphäre kann ein guter Einstieg sein.
  • Wählen Sie einen neutralen Ort: Wenn vertraute Bilder zu stark emotional belasten, kann ein neutraler Raum mit angenehmem Licht ein guter Anfang sein.
  • Lassen Sie sich begleiten: Ich als Ihre Therapeutin kann Sie in der Übung anleiten und dabei helfen, mögliche Hürden sanft zu überwinden.


Mit etwas Übung wird es Ihnen zunehmend leichter fallen, Ihren sicheren Ort bewusst und gezielt zu finden und zu besuchen – wann immer Sie ihn brauchen.

Ein Fallbeispiel aus der Praxis

Eine meiner Patientinnen kam zu mir mit dem Gefühl ständiger Anspannung – besonders nach anstrengenden Gesprächen mit ihrem Mann. In der Sitzung entwickelte sie mit meiner Anleitung einen sicheren Ort: eine Hütte im Wald, mit Kaminfeuer, weichen Decken und einem Fenster mit Blick auf tanzende Schneeflocken.

Schon nach wenigen Sitzungen konnte sie diesen inneren sicheren Ort abrufen – z.B. abends vor dem Schlafengehen oder wenn sie innerlich aufgewühlt war. Das Ritual wurde für sie zu einem Ankerpunkt im Alltag und führte dazu, dass sie sich auch in schwierigen Gesprächen innerlich sicher fühlte und dadurch ruhig ihr Anliegen ansprechen konnte.

Tipp für Ihre Praxis: Der sichere Ort zum Mitnehmen

Wenn Sie den sicheren Ort regelmäßig üben – z.B. vor dem Einschlafen, nach der Arbeit oder vor herausfordernden Situationen – entsteht allmählich eine neuronale Spur in Ihrem Gehirn.
Ihr Körper erinnert sich schneller an diesen Zustand der Ruhe – und Sie können sich immer leichter stabilisieren.

Fazit: Ihr innerer Rückzugsort. Immer erreichbar

Der sichere Ort ist mehr als nur eine mentale Technik – er ist ein innerer Rückzugsort, den Sie jederzeit aufsuchen können (er ist ja immer bei Ihnen), wenn Sie Ruhe oder Sicherheit brauchen. In der Psychotherapie, der Hypnose oder im Alltag ist er eine wertvolle Ressource zur emotionalen Stabilisierung und Selbstfürsorge.

Auch wenn Sie kein ausgeprägter „Bildermensch“ sind, genügt es, dass Sie bereit sind, diesen Ort Schritt für Schritt für sich entstehen und wachsen zu lassen, d.h. ihn stetig mit mehr und mehr Details zu füllen.

Der sichere Ort auf die Ohren

Wenn Sie diese Übung selbst ausprobieren möchten, sende ich Ihnen gerne eine angeleitete Meditation zum „sicheren Ort“.
Melden Sie sich einfach über meine Website oder per E-Mail – ich freue mich, wenn ich Sie dabei begleiten darf, Ihren inneren Rückzugsort zu entdecken.

Wissenschaftliche Quellen

  • Frewen, P. A., et al. (2012). Imagery vividness and the treatment of PTSD. Journal of Traumatic Stress, 25(2), 163–167.
  • Kosslyn, S. M., et al. (2001). Neural foundations of imagery. Annual Review of Psychology, 52, 1–27.

Falls Ängste regelmäßig in Ihrem Leben auftauchen – hier finden Sie weitere Informationen und Tipps.

Suchen Sie eine Psychotherapie? Schreiben Sie mir gerne eine Mail an praxis@psychotherapie-thran.de oder rufen mich unter 0175 / 380 73 09 an.

Ich bin Jennifer Thran, Heilpraktikerin für Psychotherapie mit den Schwerpunkten in Hypnosetherapie, EMDR und emTrace® . In meiner Praxis für Psychotherapie im Klostergut begleite ich Menschen achtsam auf ihrem Weg zu innerer emotionaler Stabilität, Selbstheilung und seelischer Resilienz.

Jennifer Thran

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