Was sind Traumata und wie kann eine Heilung gelingen

Viele Menschen verbinden den Begriff Trauma mit Extremerlebnissen, wie Krieg, Katastrophen oder Gewalt. Doch Traumata können auch viel leiser entstehen: durch Unfälle, plötzliche Verluste oder wiederkehrende emotionale Überforderung.
Ein Trauma ist keine Schwäche, sondern eine natürliche Reaktion des Körpers und der Psyche auf ein Ereignis, das zu viel, zu schnell oder zu bedrohlich war.

Wann wird ein Erlebnis zum Trauma

Das Wichtigste in Kürze über Traumatherapie

  • Ein Trauma entsteht, wenn ein Erlebnis uns überfordert und wir es nicht verarbeiten können.
  • Häufige Auslöser sind Unfälle, plötzliche Verluste, Trennungen oder emotionale Vernachlässigung.
  • Traumata können auch durch anhaltende Beziehungserfahrungen entstehen (Bindungs- oder Entwicklungstrauma).
  • Methoden wie EMDR, Hypnose und Ressourcenarbeit unterstützen die natürliche Regulation und Selbstheilung.
  • In der Traumatherapie liegt der Fokus auf Sicherheit schaffen, damit ein Verarbeiten der Erlebnisse möglich wird.

Was passiert bei einem Trauma?

Wenn ein Mensch etwas erlebt, das sein Sicherheitsgefühl erschüttert, schaltet das Nervensystem in den Überlebensmodus. Herzschlag, Muskelspannung und Wahrnehmung verändern sich und der Körper will kämpfen, fliehen oder erstarren.
Kann das Nervensystem danach nicht zur Ruhe kommen, bleibt der Alarmzustand bestehen. Das Gehirn speichert die Erfahrung fragmentiert, d. h. Gefühle, Körperempfindungen und Bilder liegen getrennt voneinander vor. So kommt es, dass alte Erinnerungen plötzlich „wie echt“ wieder auftauchen oder bestimmte Situationen sofort Stress auslösen.

Wann wird ein Erlebnis zum Trauma?

Ein Erlebnis wird dann traumatisch, wenn das innere Verarbeiten der Situation nicht mehr gelingt. Entscheidend ist also nicht allein, was passiert ist, sondern wie das eigene psychische System auf die Situation reagiert.

Wenn jemand sich in einer Situation ausgeliefert, allein oder ohne Kontrolle fühlt, kann das Nervensystem das Erlebte nicht vollständig einordnen und die Erfahrung bleibt „unverarbeitet“.

Wie definiert die Psychologie ein Trauma?

In der Fachsprache beschreibt die ICD-10 eine „posttraumatische Belastungsstörung“ als eine Reaktion auf ein Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes, die bei fast jedem tiefgreifende Verzweiflung hervorrufen würde.
Das DSM-5 spricht von „Exposure to actual or threatened death, serious injury, or sexual violence“, also dem direkten oder indirekten Erleben einer massiven Bedrohung.
 Wichtig: Nicht jede belastende Erfahrung führt zu einer Traumafolgestörung. Entscheidend ist die individuelle Reaktion und die fehlende Möglichkeit, das Geschehen ins eigene Erleben zu integrieren.

ICD-10 und DSM-5 sind internationale Systeme, mit denen Fachleute psychische und körperliche Erkrankungen einheitlich beschreiben.

  • ICD-10 wird von der WHO herausgegeben und in Deutschland verwendet.
  • DSM-5 stammt aus den USA und beschreibt psychische Störungen oft etwas genauer.

Sie schaffen eine gemeinsame Sprache in Medizin und Psychotherapie, damit Diagnosen verständlich, vergleichbar und wissenschaftlich fundiert sind.

Welche Arten von Traumata gibt es?

In der Psychotherapie unterscheiden wir häufig:

  • Akutes Trauma: Ein einmaliges, plötzliches Ereignis wie ein Unfall oder ein medizinischer Notfall.
  • Komplexes Trauma: Wiederholte oder lang anhaltende Belastungen, etwa emotionale Vernachlässigung, chronische Konflikte oder ständige Unsicherheit in der Kindheit.
  • Bindungstrauma: Frühe Erfahrungen, in denen sichere Bindung fehlte, z. B. wiederholte Trennungen, Verlust eines Elternteils oder emotionale Kälte.


Diese Formen sind nicht trennscharf, sie überschneiden sich oft. Entscheidend ist, wie sicher und verbunden sich ein Mensch in Beziehungen erlebt, sowohl früher als auch heute.

Wie sich Traumata äußern können

Traumatische Erfahrungen wirken nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Häufige Symptome sind:

  • Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, innere Unruhe
  • plötzliche Erinnerungsbilder („Flashbacks“)
  • emotionale Taubheit oder das Gefühl, „nicht im eigenen Körper zu sein“
  • Konzentrationsprobleme, Anspannung oder chronische Schmerzen


Das Nervensystem versucht weiterhin, die alte Gefahr abzuwehren, obwohl sie längst vorbei ist.

Hypnose als Weg zur Traumaverarbeitung

Hypnose – insbesondere die Autosystemhypnose® – kann in der Traumatherapie eine wertvolle Rolle spielen. Sie hilft, das innere Erleben zu stabilisieren, das Nervensystem zu beruhigen und Zugang zu inneren Bildern oder Körperempfindungen zu bekommen.

In der hypnotischen Trance wird der Kontakt zum Unbewussten erleichtert. Das bedeutet nicht, dass man „weg“ ist, sondern dass der bewusste Verstand etwas in den Hintergrund tritt, dies ähnelt dem Tagträumen. So können innere Prozesse sichtbar werden, die im Alltag überdeckt sind.
Hypnose kann dabei auf mehreren Ebenen wirken:

  • Stabilisierung und Ressourcenaktivierung: Das innere Erleben wird sicherer, der Körper entspannt sich, Selbstheilungskräfte werden gestärkt.
  • Integration belastender Erfahrungen: In der Hypnose können die traumatischen Erinnerungen verarbeitet werden, Erinnerungsfragmente können miteinander verbunden oder neu eingeordnet werden. Möglich ist auch eine Kombination mit Methoden wie EMDR.
  • Regulation des autonomen Nervensystems: Hypnose fördert zudem die Selbstregulation und der Körper lernt, aus dem Alarmzustand in Sicherheit zurückzufinden.


Gerade die Autosystemhypnose® nach Götz Renartz unterstützt, dass das Unbewusste selbst passende Lösungen findet. Die Klientin oder der Klient bleibt aktiv beteiligt, das macht die Hypnose sanft und gleichzeitig tiefgreifend.

Warum Hypnose bei Traumata funktioniert

Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass in der Hypnose ähnliche Gehirnregionen aktiv sind wie beim Verarbeiten von Emotionen und Erinnerungen.
Durch die gezielte Fokussierung in Trance können neuronale Netzwerke, die mit Angst oder Stress verbunden sind, neu verschaltet werden.
 Kurz gesagt: Das Gehirn bekommt die Chance, das Erlebte „nachzuverarbeiten“.
Viele Patienten berichten, dass sie durch Hypnose wieder Zugang zu Ruhe, innerer Stärke und Selbstwirksamkeit finden, ohne die belastenden Ereignisse erneut detailliert durchleben zu müssen.

Wege der Heilung

Die Traumatherapie gliedert sich in mehrere Phasen:

  1. Stabilisierung: Sicherheit schaffen, Körperwahrnehmung stärken, Schlaf und Alltag regulieren.
  2. Traumabearbeitung: behutsames Annähern an belastende Erinnerungen, z. B. mit EMDR oder Hypnose (Autosystemhypnose®)
  3. Integration und Neubeginn: Das Erlebte wird in die Lebensgeschichte eingeordnet, so können neue Perspektiven und Gefühle entstehen.

Jede Traumabearbeitung ist individuell. Wichtig ist, das Tempo des Nervensystems zu respektieren. Heilung ist kein Wettlauf und kann Zeit brauchen.

Fallbeispiel aus der Praxis

Ein Klient, nenne wir ihn Herr Maier, kam nach einem schweren Verkehrsunfall in meine Praxis. Obwohl er körperlich genesen war, reagierte sein Körper bei jeder Autofahrt mit Herzrasen und Zittern.
 In der Hypnose tauchte ein inneres Bild auf: Er sah sich selbst am Straßenrand stehen, unfähig, sich zu bewegen.
 In mehreren Sitzungen begleitete er dieses Bild, zunächst aus sicherer Distanz auf einer inneren Leinwand, dann Schritt für Schritt näher heran. Schließlich konnte er in der Trance erleben, wie die Szene sich veränderte: Statt Ohnmacht spürte er wieder Kontrolle.
Einige Wochen später fuhr er wieder Auto und fühlte sich dabei ruhig, konzentriert und bei sich.

Fazit

Ein Trauma entsteht, wenn ein Erlebnis die natürliche Bewältigungsfähigkeit überfordert. Es hinterlässt Spuren im Körper, im Nervensystem und im inneren Erleben.
Mit modernen, sanften Methoden wie EMDR und Hypnose kann das Gehirn lernen, alte Erfahrungen neu zu verarbeiten und Sicherheit zurückzugewinnen.


Wenn Sie das Gefühl haben, ein Erlebnis lässt Sie nicht los, begleite ich Sie gerne auf Ihrem Weg der Stabilisierung und Verarbeitung.
In meiner Praxis arbeite ich mit Hypnose/Autosystemhypnose®, EMDR und ressourcenorientierter Psychotherapie, um seelische Selbstregulation und innere Ruhe wiederherzustellen.

Wissenschaftliche Quellen

  • American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (5th ed.).
  • World Health Organization. (1992). ICD-10: Classification of Mental and Behavioural Disorders.
  • Renartz, G. (2020). 1000 x Autosystemhypnose: Selbstorganisatorisches Heilen. epubli.
  • Oakley, D. A., & Halligan, P. W. (2013). Hypnotic suggestion: Opportunities for cognitive neuroscience. Nature Reviews Neuroscience, 14(8), 565–576.
  • van der Kolk, B. (2015). The Body Keeps the Score: Brain, Mind, and Body in the Healing of Trauma. Penguin Books.

Suchen Sie eine Psychotherapie? Schreiben Sie mir gerne eine Mail an praxis@psychotherapie-thran.de oder rufen mich unter 0175 / 380 73 09 an.

Ich bin Jennifer Thran, Heilpraktikerin für Psychotherapie mit den Schwerpunkten in Hypnosetherapie, EMDR und emTrace® . In meiner Praxis für Psychotherapie im Klostergut begleite ich Menschen achtsam auf ihrem Weg zu innerer emotionaler Stabilität, Selbstheilung und seelischer Resilienz.

Jennifer Thran

Jennifer Thran

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner